Frau Nuf berichtet von den verzweifelten Versuchen der Stadt Berlin, die Überalterung zu bekämpfen. Ich mag alte Menschen. Mein Vater ist einer.
Darum versuche ich seit gestern, den Eismassen auf dem Bürgersteig in der Nähe Hannovers und vor meinem väterlichen Haus Herr zu werden.
Man erkennt in unserer Straße sofort, wo ein Schneeräumdienst seine Arbeit verrichtet und wo nicht. Im Mehrfamilienhaus gegenüber zum Beispiel nicht: Der Schnee lag Wochen lang glücklich da und wurde ab und an mal ein wenig gesplittet. Und vor dem Haus meines Vaters auch nicht. Der Schnee lag glücklich da. Und wurde zu Eis.
Gestern ging es also los: Schneeschippe? Nee. Spaten? Nee. Zimmermanshammer? Hm, vielleicht. Letzten Endes habe ich ein tiefes Loch in die nicht enden wollenden Eismassen gehämmert und habe das Loch dann von innen her mit dem Spaten immer mehr geweitet, zwischendurch die hunderten Kilo herausgeschlagenes Eis mit Schaufel und Staubsauger entfernt. Nach fünfzehn Minuten hatte ich ein 40x40cm großes Stück Gehweg frei. Der Gehweg, der früher so kurz erschien war nun ein Gletscher, der den Aletsch-Gletscher in der Schweiz wie ein kurzes Stück Eis-am-Stiel erscheinen lies.
Also los zum Kaufmann, Salz kaufen. Der lachte mich nur an. Naja, eigentlich lachten die mich nur an. Salz sei seit einer Woche aus. In drei Geschäften*. Heute also Speisesalz gekauft und 1,20 Euro auf die 10m vor mir verteilt. Es knackte. Ich war froh. Mit dem vier-Kilo-Vorschlaghammer ging es los. Wie man früher Steine kloppte, kloppte ich Eis. Große Schollen lösten sich vom nicht enden wollenden Gletscher. Nach fünf Minuten war das Loch schon einen Meter lang, es ging voran. Dann holte der Gletscher zum Gegenschlag aus: Eine Scholle streifte mein Bein und von da gegen meinen Handballen. Dieser ist nun rot, dick und tut weh.
Aua.
Gletscher 2 : Problemkerze 1
* Selbst das Land Niedersachsen streute letztes Wochenende nur sporadisch mangels Salz und Splitt.
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