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Archive for Juli 2012

The Amazing Spider-Man

Letzten Freitag war ich also wieder im Kino und gab einen zweistelligen Betrag für eine Kinokarte aus. Der Film ist in 2D außer wenn Spider-Man sich hin- und herhangelt. Das ist ärgerlich für meine Geldbörse und noch dazu stellt sich bei mir „will auch“ ein. Also – hangeln, nicht ärgern. Gibt es eigentlich 3D-Pornos? Wäre sicher genauso frustrierend, nur dass man dann ins Leere greifen könnte…

Here be Spoilers!

Immer wieder bin ich erstaunt, was Menschen über schauspielerische Leistungen und so schreiben, ich bin gut unterhalten wenn die Geschichte was hergibt.  Nunja, ich war jedenfalls gut unterhalten. Peter Parker ist Schüler und nach dem Spinnenbiss unfähig, selbst Netze zu weben und muss diese daher einkaufen. Gute Idee, aber: Welch horrende laufenden Kosten muss dieser Superheld haben? Was für ein Polizeichef ist das, der die Schnüre nicht untersuchen lässt und dem Pfad des Geldes folgt sondern seine Leute nur dem Typen im Trainingsanzug hinterherlaufen lässt? Oh schaut mal, er ist auf einem Caféstuhl gelandet, haha.

Peter Parkers Hände kleben an der Tastatur, seine Freundin ist die Tochter des Polizeichefs und sieht scharf aus (allein durch ihre Anwesenheit verfälscht die doch Laborergebnisse weil sie die Forscher ablenkt) und es gibt einige coole Effekte.

Der Übergang zwischen dem Entdecken und dem Nutzen der Superkräfte passiert bei The Amazing Spider-Man glatter als bei anderen Filmen, bei  Chronicle hat das meiner Meinung nach zum Beispiel gar nicht gepasst. Das ist ganz erstaunlich, weil es bei Spider-Man ja einen klaren Schnitt gibt: Den Mord am Onkel. Nebenbei: Man hätte an dieser Stelle auch einen wunderbaren Schuldgefühleplot einbauen können was, wäre die Geschichte von Frank Miller, sicher auch passiert wäre…

Spider-Man sinnt also auf Rache, ist sich dessen aber nicht bewusst. Er denkt tatsächlich, dass er etwas Gutes tut. Der Polizeichef George Stacey, führt ihm bei beim Abendessen den Rachefeldzug vor Augen. Das Abendessen ist ein wundervolles Bild dafür, wie unbedacht (ohne Anzug erschienen) und unwissend (Fisch entgräten) Parker/Spider-Man vorgeht. Stacey zeigt Peter Parker, dass Spider-Man eben nicht für das Gute kämpft, sondern blonde Männer verfolgt und auch noch Spaß dabei hat. Dass Stacey etwas gegen Selbstjustiz hat ist nur verständlich. Offensichtlich hat er auch etwas gegen Ermittlungsarbeit (s. o.).

Als Spider-Man dann seine Ziele ändert und für das Gute kämpft, ändert Stacey seine Meinung von ihm – sonst hätte er Spider-Man wohl kaum die Rettung seiner Tochter überlassen. Und er hilft ihm am Ende ja auch noch und lässt dabei sein Leben.

Stacey ist also ein integrer Mann. Wie wir von seiner Tochter erfahren haben, arbeitet er zum Wohl der Stadt und als er im Sterben liegt, verlangt er, dass Peter Gwen in Ruhe lassen soll. Also ist er wohl auch Familienmensch, denn er weiß, welchen Schmerz sein Tod bei der Familie auslösen wird und will Gwen diesen Schmerz ersparen sollte Peter sterben.

Was den Film, der seine Höhen wie auch seine Tiefen hat, kaputt macht, ist dann die Szene nach der Beerdigung von Stacey.  Gwen steht vor Peters Haus und sagt: „Du musstest es meinem Vater versprechen, oder?“ als der sich von ihr trennt. Stacey war integer. Er arbeitete zum Wohl der Stadt und zum Wohl seiner Familie und wusste um die Gefahr für die Familie. Aber das wiederum wusste Gwen nicht. Für sie war er der Mann, der jeden Morgen mit Polizeimarke aus dem Haus ging und bei dem sie nie sicher war, ob er zurückkommen würde. Ich hab im Kino gesessen und „What the fuck?“ gesagt und habe von links (Begleiterin) und rechts (unbekannter Filmfan) verständnisvolle Blicke geerntet.
Warum nur haben diese Autoren diesen Satz da reingeschrieben? Ganz einfach: Damit Peter ihn nicht sagen musste. Hätte er ihn gesagt, hätte Gwen am Ende des Films nicht noch einmal lächeln können und niemand auf dieser Welt würde Emma Stone nicht lächeln sehen wollen.

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Zwölf Jahre nach dem Tod meiner Mutter, sieben nach meinem Abitur, sechs nach meinem Auszug von zu Hause und drei Jahre nach dem Umzug in eine andere Stadt wollte ich nun für drei Monate wieder in meinem Elternhaus wohnen.

Nach drei Wochen haben mich die Erinnerungen an meine Kindheit übermannt und ich habe überall nur die Schrecken von damals gesehen. Eigentlich wollte ich dort meine Abschlussarbeit schreiben.

Ich habe lange Jahre gebraucht, um das Geschehene zu verarbeiten. Danach habe ich lange Jahre gebraucht, um mir etwas Eigenes zu schaffen. Und all das, ohne dass mir jemand dabei zur Seite gestanden hätte. Und in nur drei Wochen ist all das in sich zusammengebrochen.

Heute morgen saß ich im Zug, habe Coldplay gehört und habe mir gedacht, dass da etwas nicht stimmen kann: Habe ich nicht lange Jahre gebraucht um das Geschehene zu verarbeiten und auch lange Jahre, um mir etwas Eigenes zu schaffen? Das alles habe ich geschafft ohne das, wovon Coldplay singt, was ich aber nie erfahren habe – niemand hat am Ziel auf mich gewartet und keiner hat mir den Weg dorthin gewiesen. Das, was ich da jetzt habe, ist wertvoll: Mein Leben. Und ich lasse mir das nicht kaputt machen von ein paar Erinnerungen. Morgen ziehe ich aus.

Zwei Fragen stellen sich jetzt noch: Sieg oder Niederlage? Ist das wichtig?

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